Deutsche Anbaugebiete

Deutschland ist ein wichtiges Weinerzeugerland. Im In- und Ausland werden deutsche Weine immer beliebter. Hauptexportziele sind Großbritannien und die USA. „A Riesling, please“ wird in Londoner oder New Yorker Weinbars oft gewünscht. Kein Wunder: Die gemäßigten Temperaturen in deutschen Landen sorgen beim Wein für feine Fruchtaromen und ein spannendes Säurespiel. Zum Essen oder solo genossen: Deutsche Weine sind einfach gut!

Weinberge an der Mosel

In den 13 deutschen Anbaugebieten wird auf rund 102.000 Hektar Rebfläche Wein angebaut. 63% davon sind Weiß- und 37% Rotweine. König unter den deutschen Rebsorten ist unbestritten der Riesling. Von Saale-Unstrut bis Baden entfallen rund 21% der Rebfläche auf den edlen Weißen, der die deutsche Weinkultur so ausgezeichnet verkörpert.

Nicht zu vergessen sind natürlich die anderen Vertreter deutscher Winzerkunst: Müller-Thurgau, Kerner oder Silvaner, Spätburgunder, Dornfelder oder Regent sind nur ein paar Stellvertreter des breiten Sortenspektrums.

Trocken, halbtrocken oder lieblich ausgebaut, versektet oder als edelsüße Spezialität: In der deutschen Weinwelt ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Herkunft zählt

Weinkorb mit grünen Trauben

Wein ist nicht das einzige Lebens- und Genussmittel, das seine geografische Herkunft auf dem Etikett trägt. Schwarzwälder Schinken oder Frankfurter Würstchen werden gerne gekauft, weil der Konsument sofort weiß, was er bekommt. Die Angabe der Herkunft hebt ein Produkt aus der Masse ähnlicher Erzeugnisse heraus und ist somit ein Versprechen.

Beim Wein ist es nicht anders. Bei deutschen Qualitätsweinen, ja sogar bei Tafel- und Landweinen muss immer die Herkunft angegeben sein. „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“ (QbA) heißt die häufigste Weinkategorie in Deutschland. Es gibt 13 solcher Anbaugebiete, von Ahr bis Württemberg.

Sie kennen es aus dem Atlas: Je weiter man weg ist, desto weniger Unterschiede erkennt man. Wenn Herkunft zählt man näher herangeht, werden Details sichtbar. Je kleinräumiger eine Herkunft definiert ist, desto stärker sind Unterschiede spürbar. Die kleinste bezeichnungsrechtliche Einheit ist die Einzellage. Ist sie auf dem Etikett angegeben, müssen die Trauben aus dieser Lage stammen. Mehrere Einzellagen sind in Großlagen zusammengefasst, die immernoch einen engen Bezug zur Herkunft haben.

Weine aus Einzellagen können deutlich durch den Boden geprägt sein, auf dem die Reben wachsen. Schieferböden verleihen einem Riesling sehr typische mineralische Noten. Natürlich wird der Weingeschmack auch durch die Rebsorte und nicht zuletzt durch die Arbeit des Winzers oder Kellermeisters beeinflusst. Deshalb gehört für uns auch immer der Mensch zum Konzept „Herkunft“!

Standortfaktoren

Der Boden: Mineralien, Geschmacksstoffe, Wasserhaushalt, Wärmespeicherung
Das Wetter: Sonnenscheindauer, Niederschläge, Frostgefahr
Das Mikroklima: Ausrichtung zur Sonne, Nähe von Wald, Höhe
Die Pflege: Krankheiten und Schädlingsbefall verhindern gesunde Trauben und optimale Erträge

Ahr - Rotes Revier
Ahr

Zwischen Koblenz und Bonn zieht sich die Weinregion der Ahr durch die Eifellandschaft. Sie ist nur rund 30 Kilometer lang und gehört mit 521 Hektar Anbaufläche zu den fünf kleinsten deutschen Anbaugebieten.

Ganz erstaunlich: Die Ahr ist eines der nördlichsten und damit klimatechnisch schwierigsten Weinbaugebiete der ganzen Welt. Trotzdem wächst hier der rote Spätburgunder besonders gern, obwohl er sonst eher in wärmeren südlichen Gebieten zuhause ist. Wie kann das sein? Die Enge des Tals, die Wärme speichernden Schieferböden und die Südausrichtung der Weinberge stauen die Sonnenkraft rund um die Reben. Da fühlt sich der Spätburgunder pudelwohl und genießt die Starqualitäten, die er an der Ahr hat.

Entlang des Rotweinwanderweges kann man sie entdecken, die fantastischen Lagen entlang der Ahr. Die spektakuläre Wegstrecke führt entlang der steilen Rebhänge immer wieder in malerische Dörfer, die mit Weinproben und leckeren Mahlzeiten locken. Hübsche Städtchen wie Bad Neuenahr oder Mayschoß sind Fixpunkte im schönen Tal, das auf seiner Nordseite mit herrlichen Wäldern lockt. Ein Paradies – nicht nur für Rotweinliebhaber! Tipp für Wohnmobil-Reisende: Am Bahnhof von Mayschoß gibt es einen Stellplatz mit Blick auf die Reben!

Baden - Im Reich des Sonnenmännchens
Baden

Die Werbung mit dem Sonnenmännchen kennt jeder. Badische Weine sind wirklich „von der Sonne verwöhnt“. Denn das Anbaugebiet, das von der „Badischen Bergstraße“ (bei Heidelberg) über den Kraichgau, die Ortenau und den Kaiserstuhl bis an das Markgräflerland an der Schweizer Grenze reicht, zählt zu den wärmsten Gebieten Deutschlands und wird von den Weinfachleuten als einziges Anbaugebiet Deutschlands zur Klimazone B gerechnet. In dieser Zone finden sich sonst Gebiete aus Italien und Frankreich! In Baden gedeihen viele Burgundersorten. Zu dieser Familie gehören etwa der Weißburgunder (auch Pinot Blanc genannt) sowie natürlich der Spätburgunder, aus dem kraftvolle, elegante Rotweine und auch erfrischende, sehr weinige Rosés (Weißherbste) gekeltert werden. Die eleganten badischen Spätburgunder haben viel Frucht und wenig Tannin, sodass sie bestens verträglich sind und sich mit vielen Speisen kombinieren lassen. Eine besondere Spezialität, die es nur im Markgräflerland gibt, ist der frische Gutedel, eine Weißweinsorte, die in der benachbarten Schweiz auch als Chasselas bekannt ist.

Die badische Weinstraße ist rund 200 Kilometer lang und reicht von Baden-Baden am Schwarzwald entlang bis an die Schweizer Grenze. Es gibt mehrere Teilstücke, wie die Ortenau-Route von Baden-Baden nach Lahr, die Breisgau-Route bis nach Freiburg und die Kaiserstuhl-Route. Und von Freiburg bis nach Weil am Rhein führen mehrere Routen durch das Markgräflerland. Es gibt ein ganzes Netz von Nebenstraßen, die durch die herrliche Landschaft führen – für Autotouristen, Biker und Radfahrer gibt es gleichermaßen Raum. Machen Sie einen Abstecher durch die reizvollen Täler des Schwarzwaldes! Nördlich von Karlsruhe lockt der abwechslungsreiche Kraichgau, und an der Badischen Bergstraße (von Hirschberg bis Wiesloch am Odenwald entlang) kehrt der Frühling zuerst ein. Die Gegend heißt nicht ohne Grund der „blühende Garten Deutschlands“! Ganz im Süden liegt noch ein Bonbon für Weintouristen: Der Bodensee, dessen Rebflächen auch zum Anbaugebiet Baden gehören, ist ein Paradies für Genießer und Wanderer. Wussten Sie, dass im Mittelalter auf der Insel Reichenau Wein angebaut wurde?

Franken - Main, aber nie Mainstream
Franken

Rund um das sehenswerte Würzburg erstreckt sich an Main und Steigerwald das schöne Franken, dessen bodenständige und erdige Weine so viel Freude machen. Seit dem vierten Jahrhundert werden hier Reben kultiviert. Goethe-Kenner wissen, dass dem Dichterfürst „kein anderer Wein schmecken“ wollte als Frankenwein. Bis zu zwei Flaschen pro Tag genehmigte sich der Autor des „Faust“ und „Werther“.

Auffälliges Erkennungszeichen des Frankenweines ist die Bocksbeutelflasche. 1718 wurde sie in Würzburg aus der Taufe gehoben, die einprägsame Flaschenform, die an eine abgeflachte Feldflasche erinnert und die fränkische Winzer vor dreisten Weinfälschungen beschützte.

Silvaner, Riesling und Kerner sowie Müller-Thurgau gehören zu den typischen Rebsorten des Anbaugebiets Franken, das die einzige Weinlandschaft in Bayern ist.

Romantisch geht es an den bewaldeten Hängen und dem sanft dahin fließenden Main zu – so recht eine Landschaft, um die Seele baumeln zu lassen! Auf der Bocks-beutelstraße, die sich über 50 Kilometer zwischen Würzburg und Nürnberg, Bamberg und Rothenburg durch die herrliche Mittelgebirgslandschaft zieht, lässt sich Franken auf das Schönste erleben. Iphofen ist nicht die einzige Stadt mit hübschen, heimeligen Fachwerkhäusern. Für das leibliche Wohl ist dabei auch gesorgt: Fränkische Leckereien wie Würste und Knödel schmecken nach mehr – und schwimmen gern im Wein der Region.

Mittelrhein - Burgen, Riesling und Romantik
Mittelrhein

Wer kennt sie nicht, die tragische Ballade von der schönen Loreley? Der Felsen, auf dem sie ihr goldenes Haar gekämmt haben soll, wacht noch heute über die Burgen und Schlösser des wunderschönen Mittelrheins – und über seine Weinberge. Diese liegen teilweise beiderseits des Stromes in extremen Hanglagen, die Sie vielleicht schon einmal vom Zug oder vom Auto aus bewundert haben. Die ganze Schönheit des Mittelrheintals lässt sich aber auch auf dem Rheinsteig erwandern, einem herrlichen Weg, der so recht erschließt, weshalb die UNESCO das Gebiet zwischen Bingen und Koblenz 2002 zum Welterbe ernannt hat. Keine Sorge, wenn Sie beim Wandern durstig werden: Es gibt jede Menge Möglichkeiten, sich bei einem Glas frischen Riesling vom Mittelrhein und einem deftigen Imbiss zu erfrischen.

Die ersten, die hier Weinbau betrieben haben, waren übrigens, wie so oft, die Römer. Auch die Franken wussten, dass hier der Wein gut gedeiht. Das von ihnen gegründete Königswinter hieß ursprünglich Königswingert! Die Enge des Rheintals, die Wälder zu beiden Seiten des Flusses und die Frische seines Wassers (er ist mittlerweile ja wieder ziemlich sauber) sorgen für ausgezeichnete Weinbaubedingungen. Probieren Sie es aus!


Mosel - Verspielt, mineralisch, fruchtig
Mosel

Flusstäler sind in Deutschland bevorzugte Standorte für Reben. Denn in ihnen herrscht meist ein ausgewogenes Klima. Das Wasser reflektiert die Sonne. Und wenn die Ufer steil sind, taugen sie wenig für die Landwirtschaft – aber umso mehr für den Weinbau. Auf steilen Terrassen fangen die Reben den Sonnenschein optimal ein, Schieferböden speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts ab. Kein Wunder, dass die Mosel und ihre Nebenflüsse Saar und Ruwer einer klassischen Weinregion den Namen gaben (neuerdings darf es auf Etiketten statt Mosel-Saar-Ruwer auch kurz und knapp Mosel heißen). Klassisch? Oh ja! Schon die Römer bauten dort Reben an. Einer namens Ausonius besang die herrliche Landschaft mit den fleißigen Winzern („Mosella“). Auf die römischen Wurzeln sind die Winzer noch heute stolz, und Reste römischer Villen und Keltern gibt es überall.

Die Mosel war und ist ein Paradies für Deutschlands Star-Rebe Riesling. Daneben gedeihen allerhand andere Sorten, auch rote, die erstaunlich gute Qualitäten erbringen. Aber die Steillagen, oft spektakulär anzusehen und sehr schwer zu bearbeiten, gehören ihm, dem König der Weißweinsorten. Die steilste Lage Europas ist der Bremmer Calmont (68 Grad Gefälle! Sind Sie schwindelfrei?). Charakteristisch ist die mineralische Prägung, dazu kommt oft eine verspielte Süße-Säure, die die Mosel-Weine leicht und elegant, eben „rassig“ wirken lässt. Auch bei den Alkoholwerten zeigen die Moselweine, dass Geschmack keine Frage der Volumenprozente ist. Herrlich sind auch die edelsüßen Varianten.

240 Kilometer lang ist der deutsche Teil der Mosel, die sich in vielen Mäandern durch ihr Tal windet. Die Moselweinstraße beginnt in Perl an der französischen Grenze und reicht bis zum Deutschen Eck bei Koblenz. Der Anblick der Rebhänge vom Schiff oder von den Uferstraßen aus ist spektakulär. Die Rebstöcke stehen hier einzeln, nicht in Drahtrahmen wie in den flacheren Lagen, die es im Anbaugebiet auch gibt. Auch die Täler von Ruwer und der Saar, von Kyll, Sauer und Lieser bieten wunderschöne, verträumte Winkel und wildromantische Klüfte (und ausgeschilderte Strecken für Radler). Mit dem Fahrrad oder mit dem Auto lassen sie sich gleichermaßen gut bereisen. Für Radler werden an manchen Tagen („Happy Mosel“) die Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Lassen Sie sich Zeit, denn die Flusswindungen vergrößern die Entfernungen! Außer der Moselweinstraße gibt es noch die „Elblingroute“ von Nittel über Konz nach Igel, ab Trier die Römische Weinstraße sowie die Ruwer-Rieslingroute.

Es gibt übrigens nicht nur viel zu sehen, sondern auch Leckeres zu essen. Denn die Gastronomie ist eine ganz große Stärke der Region. Wir denken hierbei nicht nur an die touristischen Gasthäuser, die es in so einer stark besuchten Gegend natürlich gibt. In vielen Restaurants – darunter viele herausragende – merkt man die Nähe zu Frankreich und Luxemburg: raffinierte, leichte Küche mit den regionalen Spezialitäten. Höhepunkt ist das alljährliche Wein & Gourmet Festival im Frühling, das mehrere Wochen dauert. Was kann im Sommer herrlicher sein als ein Platz am gedeckten Tisch auf einer schattigen Terrasse mit Blick auf den Fluss und die Rebhänge – und dazu ein frischer, leichter Riesling? In den malerischen Dörfern mit ihren klangvollen Namen gibt es zahlreiche Feste.

Nahe - Kleiner Fluss, große Weine
Nahe

Die Nahe ist eines der kleineren Anbaugebiete, aber die Naheweinstraße bringt es immerhin auf 110 Kilometer. Und die führen Sie durch eine beschauliche, manchmal fast wildromantische und gelegentlich spektakuläre Landschaft mit kleinen Flusstälern (Alsenz, Glan) und steilen Felsen. Bei Traisen erhebt sich die steilste Felswand nördlich der Alpen, zu deren Füßen ein paar Rebzeilen stehen. Dass auf dem Weg viele Kurorte liegen – von Bad Kreuznach über Bad Münster am Stein bis Bad Sobernheim – weist schon darauf hin, dass die Nahe eine erholungsreiche Region ist. Es gibt zahlreiche Wellness-Angebote. Nach der Mosel ist die kleine Nahe übrigens einer der ältesten Weinflüsse Deutschlands (die Römer!).

Für Wanderer empfiehlt sich der traumhaft schöne Weinwanderweg Nahe (Markierung gelbe Traube; Gesamtlänge 98 Kilometer mit Tagesetappen von 12 bis 20 Kilometer). Oder fahren Sie mal auf einer echten Draisine. Die idyllischen Gleisstrecken erinnern immer wieder an eine Modelleisenbahnlandschaft. Auch Radwanderer kommen auf ihre Kosten. Mit der Deutschen Edelsteinstraße hat der Nahewein eine enge Verbin-dung. Die Kunst der Edelsteinschleiferei hat eine lange Tradition in der Region; in Idar-Oberstein gibt es das Deutsche Edelsteinmuseum und echte Edelsteinschleifer zu besichtigen. Vielleicht deshalb ist das Anbaugebiet auch als Deutschlands Schatzkästchen bekannt.

Pfalz - Fehlt nur noch das Mittelmeer
Pfalz

Jeder Pfälzer wird Ihnen aus tiefstem Her-zen eines versichern: Dass seine Heimat ein Paradies sei, dass es zu besuchen gelte. Das schöne Wetter! Die netten Leute! Die malerischen Orte! Die gemütlichen Feste! Die leckeren Spezialitäten! Und, das Wichtigste: die tollen Weine!

Von den Höhen des Pfälzer Waldes bis in die Niederungen der Rheinebene erstreckt sich das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands. Nicht zu Unrecht wird die Pfalz auch die „Toskana Deutschlands“ genannt: außer Wein gedeihen hier – neben heimischem Obst und Gemüse – Mandeln, Feigen und Zitronen. Ein Fest, wenn das alles blüht! Oft buchstäblich: Das Mandel-blütenfest in Gimmeldingen lockt zum Beispiel jedes Jahr nicht nur Foto-Freaks in Scharen an. (Warum nennen die Italiener ihre Toskana eigentlich nicht die „Pfalz Italiens“?)

Toll für Pfalz-Fans und solche, die es werden wollen: Die Deutsche Weinstraße zieht sich von Schweigen-Rechtenbach an der Grenze zu Frankreich bis hinauf nach Bockenheim und berührt dabei die schönsten Weinorte und -landschaften, von der nördlichen Pfalz um Grünstadt herum, die Mittelhaardt von Bad Dürkheim bis Neustadt und die Südliche Weinstraße von Maikammer bis Kandel. Die Deutsche Weinstraße ist übrigens die älteste ihrer Art weltweit (seit 1936) und hat zahlreiche Nachahmer gefunden. Kein Wunder: Gibt es eine schönere und anregendere Art, eine Weinregion kennen zu lernen? Fahrradfans sei der „Erlebnistag Deutsche Weinstraße“ empfohlen. Dann ist die ganze Strecke für den Autoverkehr gesperrt. Ein einziges Weinfest!

Pfälzer Weine sind oft deftig und voll saftig, keine „Leichtmatrosen“ im Glas. Die Pfälzer genießen ihre Weine im Sommer gerne aus dem „Schoppenglas“, das einen halben Liter fasst. Wichtigster Vertreter der Pfälzer Rebsorten ist der Riesling, der hier kräftig und gehaltvoll ins Glas kommt. Müller-Thurgau und Kerner fühlen sich in der Region auch sehr wohl, daneben die Burgunder sorten (Grau- und Weißburgunder). Nicht zu vergessen die Rotweine, die in den letzten Jahren ihren Platz am Pfälzer Weinhimmel erobert haben, allen voran der Dornfelder, der hier saftig und fruchtig daher kommt, aber auch Spätburgunder und sogar der internationale Cabernet Sauvignon.

Rheingau - Die Spätlese-Erfinder
Rheingau

Wussten Sie, dass zwei wichtige Wein-begriffe im Rheingau erfunden wurden? Das kam so: Die Mönche, die früher die Reben auf dem Johannisberg bewirtschafteten, mussten vor jeder Lese einen Kurier mit Trauben nach Fulda zu ihrem Vorgesetzten, dem Fürstbischof, schicken, damit der die Leseerlaubnis erteilte. Im Jahr 1775 ver-spätete sich der Reiter aus bis heute ungeklärten Gründen. Und die Mönche, die in ihrer Verzweiflung die anscheinend faulenden Trauben ernteten, waren bass erstaunt: Solch einen köstlichen Wein hatten sie noch nie getrunken! Was sie entdeckt hatten, war eigentlich die Edelfäule – und das Prinzip der Spätlese. Ihre besten Weine legten sie in ihrem Keller in ein kleines Gelass, das sie Cabinet nannten – heute heißt so eine Qualitätsstufe.

Der Riesling ist die Hauptrebsorte im Rheingau. Der liegt übrigens nicht nur am Rhein! Das Anbaugebiet reicht von Flörsheim am Main über Hochheim über Rüdesheim bis nach Assmannshausen. Dort ist die Hochburg des Spätburgunders. Einen tollen Überblick hat man von der „Germania“, einem Heldendenk mal aus der Bismarckzeit hoch über Rüdesheim (erreichbar mit der Sesselbahn!). Weintouris ten sollten sich entweder zu Schiff oder über die Rheingauer Riesling Route dem Wein nähern. Diese Strecke lässt die stark befahrene Bundesstraße links liegen und führt durch hübsche Dörfer und Städtchen, die schon Romantiker wie Clemens Brentano und Heinrich Heine, natürlich auch den unvermeidlichen Goethe begeisterten.

Rheinhessen - Das goldene Viereck
Rheinhessen

Das größte deutsche Anbaugebiet erstreckt sich südwestlich von Mainz ins Hinterland des Rheins und teilt sich in drei Untergebiete auf: Bingen, Nierstein und Wonnegau. Wussten Sie, dass die meisten Rebsorten-Neuzüchtungen, die unsere Gaumen erfreuen, aus Rheinhessen stammen? Die Winzer hier sind für Neues stets auf-geschlossen, und das milde Klima entlang des Rheins lässt viele Experimente erfolgreich enden.

Rheinhessen ist – bei allen Weinbauerfolgen – weit mehr als ein Rebenmeer. Die sanfte Hügellandschaft erfreut die Sinne ebenso wie die köstlichen Weine und herzhaften Spezialitäten der Region. Historisch Interessierte kommen in den ehrwürdigen Domstädten Mainz und Worms auf ihre Kosten. Wer von den Jakobswegen fasziniert ist, kann zwischen Dittelsheim-Heßloch und Worms-Herrnsheim Pilgerluft schnuppern, hier wurde ein Stück des alten Weges restauriert. Und jeder wird sich an den urigen, beschaulichen Weindörfern erfreuen, von denen jedes mit Guts ausschänken und – in der Saison – Straußwirtschaften lockt. Auch schmucke Landgasthöfe mit einfallsreicher Regionalküche laden Sie ein.

Bei der Sortenvielfalt der Region fällt es schwer, „den“ Rheinhessen zu nennen. Der deutsche Klassiker Riesling steht ebenso auf den rheinhessischen Weinbergen wie spannende neue Sorten, zum Beispiel die Rotweinsorte St. Laurent. Rheinhessen mögen es eben vielfältig!

Saale-Unstrut - Hoch im Osten
Saale-Unstrut

Malerische Steilhänge, bildhübsche Dörfer und Städte, wilde Natur, dazu eine uralte Weinkultur, die es zu entdecken gilt: Das ist Saale-Unstrut. Schon für das Jahr 1066 lässt sich in Kloster Pforta – bis heute klingender Name im Gebiet – von den Zisterziensermönchen durch geführter Weinbau nachweisen.

Der Harz macht den Weinbau an Saale und Unstrut möglich: Er hält den Regen von den Weinbergen fern. Die nicht zu warme Witterung ermöglicht duftige, zarte Weine, die ausgesprochen gut zu leichter Küche passen.

Das Wandererherz schlägt hoch im nördlichsten Weinbaugebiet Deutschlands südwestlich von Halle. Die Weinstraße Saale-Unstrut führt durch die wunderschöne Kulturlandschaft und kann mit dem Auto oder dem Rad befahren oder zu Fuß erkundet werden. Liebhaber von Burgen und Schlössern kommen auch auf ihre Kosten. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen der Naum burger Dom und die Burg Saaleck.

Spannend ist auch der „Herzogliche Weinberg“ in Freyburg, Zentrum des Winzer-handwerks an Saale und Unstrut. Der Naturpark Saale-Unstrut-Triasland betreibt diesen Schauweinberg, in dem Interessierte vieles über extensiven Weinbau, Kultur und Geschichte dieser Region er fahren können.

Württemberg - Wer schafft, soll auch genießen
Württemberg

Die Württemberger gelten als besonders fleißig und innovativ. Außer Hochdeutsch können sie alles, behaupten sie. Sogar einen Ausdruck für die speziell württem-bergische Weise, Wein zu trinken, haben sie kreiert: „Schlotzen“. Das heißt so viel wie genießerisch trinken. Typisch und allgegenwärtig ist das „Viertele“ Rotwein im Henkelglas. Aber nicht nur ihre Weine wissen die Württemberger zu genießen – und zwar jenseits aller Viertele-Schlotzer-Klischees -, auch die Küche hat einen exzellenten Ruf. Und die Weinlandschaft ist herrlich. Wichtigster Weinfluss ist der Neckar, in dem sich steile, auch terrassierte Rebhänge spiegeln, dazu kommen idyllische Seitentäler wie die der Neckarzuflüsse Rems, Kocher und Jagst oder des Mainzuflusses Tauber. Dort gibt es noch verträumte Landstraßen, malerische Dörfer, Gasthäuser mit feiner Lokalküche und ausgesuchten regionalen Weinen. Auch ein Stück vom Bodensee gehört zum Anbaugebiet; es liegt bei Friedrichshafen.

Stuttgart verfügt über eigene Rebflächen und sogar ein städtisches Weingut – Städtetouristen können also authentische Weine probieren, ohne weit zu fahren. Aber schon die nähere Umgebung bietet lohnenswerte Ziele, etwa das liebliche Remstal, in dem man eine eigene Weinroute ausgewiesen hat. Insgesamt ist die Württemberger Weinstraße über 500 Kilometer lang. Ein wahres Netz der Köstlichkeiten! Und freilich auch der Kultur. Das barocke Ludwigsburg, die Zisterzienserabtei Schöntal oder die alte Universitätsstadt Tübingen mit ihrer gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt lohnen unbedingt den Besuch.

Probieren Sie die Rotweine, allen voran der landestypische Trollinger und der Lemberger, aber auch Spätburgunder, Schwarzriesling, Dunkelfelder, Samtrot und Dornfelder. Während der Trollinger oft hellfarben und sehr fruchtbetont und saftig ist (eben genau das Richtige zum Schlotzen), sind andere Rotweine aus Württemberg tiefgängig und kraftvoll gebaut. Mit dem Barrique hat man in Württemberg schon lange Erfahrungen gesammelt. Württemberg ist neben der Ahr das einzige deutsche Anbaugebiet, in dem die Rotweinsorten deutlich die Mehrheit haben (70 Prozent). Aber wussten Sie, dass der Riesling die wichtigste Weißweinsorte und mit 2.102 Hektar die zweithäufigste ist? Er gedeiht gut auf den Kalk- oder Mergelböden und fällt in Württemberg betont duftig, ja blumig aus. Auch andere Weißweinsorten wie Silvaner, Müller-Thurgau und Kerner sind zu finden. Eine Spezialität ist der Schillerwein. Es ist ein Rosé, der aus weißen und roten Sorten gemacht wird (solch einen Wein nennt man auch Rotling). Mit dem Dichter Friedrich von Schiller – auch ein Württemberger – hat der Name übrigens nichts zu tun, eher mit der schillernden Farbe.

Württemberg ist auch der Sitz einer namhaften Weinbauschule, Weinsberg. Der Name ist Programm! Dort wurde so manche Rebsorte neu gezüchtet, wie der Kerner oder der Dornfelder. Die Württemberger tüfteln eben gern. Noch wenig bekannt ist der rote Acolon, der 1971 aus Lemberger und Dornfelder entstand. Ein Turbo-Württemberger also, der zudem unempfindlich gegen Krankheiten ist und daher im Weinberg den weit gehenden Verzicht auf chemische Mittel ermöglicht. Ganz schön clever!