Rebsorten und Aromen

Deutschland besitzt eine große Rebsortenvielfalt. Das Spektrum reicht von alteingesessenen Sorten wie dem Riesling oder dem Spätburgunder bis zu interessanten Neuzüchtungen wie dem Acolon. Die Unterschiede kennen zu lernen und dabei auch eigene Vorlieben zu entwickeln, das ist eine spannende Sache. Entdecken Sie noch mehr!

Geschmacksfragen: Rebsorten und ihre Aromen

Tipp: Beim Deutschen Weininstitut können Sie sich Aromaräder für Weiß- und Rotweine bestellen, auf denen die typischen Weinaromen aufgeführt sind.

Riesling

König der Weißweinsorten und international renommiert. Beste Anbaugebiete: Mosel-Saar-Ruwer, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Mittelrhein, Nahe, Württemberg, Franken, Baden. Säurestark und lagerfähig, elegant und mineralisch, hervorragend für edelsüße Weine (Beerenauslesen) geeignet.

Typische Aromen: Pfirsich, Nektarine, Apfel, Grapefruit, Aprikose, auch Baby-Ananas

Müller-Thurgau

Überall verbreitete Sorte, wurde vom Rebzüchter Professor Müller aus dem Schweizer Thurgau gezüchtet; reift früh, liefert saftige, weiche Weine, auch frische, spritzige Tropfen. Auch als Rivaner bekannt und als Schoppenwein bis Speisebegleiter geeignet.

Typische Aromen: Muskatnote, reifer Apfel, Blüten, Birne

Kerner

1929 aus Trollinger und Riesling entwickelt und nach dem Poeten und Arzt Dr. Justinus Kerner benannt, ähnelt dem Riesling, ist etwas aromatischer, vierthäufigste Weißweinsorte in Deutschland.

Typische Aromen: Birne, Orangenkonfitüre, weiße Johannisbeere, Aprikose

Weißburgunder

Gehört wie sein Verwandter, der Grauburgunder (Pinot Grigio), zur Pinot-Familie; liefert vollmundige, substanzreiche Weine („burgundische Fülle“) mit gut eingebundener Säure, idealer Speisebegleiter.

Typische Aromen: Gras, Heu, Birne, gelber Apfel

Spätburgunder

Edelste Rotweinrebe Deutschlands, als Pinot Noir auch international verbreitet (darunter in Burgund und in der Champagne), anspruchsvoll im An- und Ausbau, sehr edel mit guter Säure und eher dezenten Gerbstoffen, auch als Weißherbst ausgebaut.

Typische Aromen: Schwarzkirsche, Sauerkirsche (Morelle), edles Leder, Tabak

Lemberger

Klassische Rotweinsorte aus Württemberg, aber auch in Österreich als Blaufränkisch bekannt (er stammt wahrscheinlich von der Donau), anspruchsvoll in der Pflege, gut strukturierte, saftige und beerenfruchtige Weine mit dezenten Gerbstoffen, aber doch Kraft, fürs Barrique geeignet.

Typische Aromen: Sauerkirsche, Brombeere, Holunderbeere, Waldbeeren, Pflaumen

Dornfelder

Erfolgreiche Neuzüchtung (1955; Helfensteiner und Heroldrebe) des Züchters August Herold; der Name erinnert an den Gründer der Weinbauschule in Weinsberg, Imanuel Dornfeld; farbstarke, vollfruchtige Rotweine mit saftigen Aromen und wenig Tannin, auch für Rosé (Weißherbst) geeignet.

Typische Aromen: Schwarze Johannisbeere, Cassis, Konfitüre, Sauerkirsche

Schwarzriesling

In der Champagne als Pinot Meunier (Müllerrebe) bekannte Variante (Mutation) des Spätburgunders, also eine Rotweinsorte; anspruchslos im Anbau, Spezialität aus Württemberg, fruchtig-saftige Weine mit guter Struktur und dezenter Säure.

Typische Aromen: ähnlich wie bei Spätburgunder

Cabernet Sauvignon

Stammt aus dem Bordeaux-Gebiet und ist weltweit erfolgreich; neuerdings auch in Deutschland im Anbau; dickschalig und tanninstark, liefert haltbare Weine mit kräftigem Gerbstoffgerüst.

Typische Aromen: Pflaume, Paprika, Pfeffer, Waldbeeren, Brombeer (Cassis)

Achtung, Kreuzung!

Rote Reben

Warum gibt es so viele Rebsorten (mehrere Tausend auf der Welt)? Weil die Rebe sich im Lauf der Zeit verändert hat – Mutationen brachten beispielsweise aus dem Spätburgunder den Frühburgunder oder den Samtrot hervor. Einige Sorten sind durch zufällige Kreuzung entstanden – den Bienen sei Dank! Und der Mensch hat bestimmte Sorten gezielt gezüchtet.

Reben zu züchten ist eine knifflige Angelegenheit. Es gilt, den Blütenstaub einer Sorte zielgenau und kontrolliert auf eine andere zu übertragen. Und dann heißt es warten, ziemlich lange. Es dauert fünfzehn, zwanzig, dreißig Jahre, bis eine neue Rebsorte ihre Tauglichkeit für den Weinbau im Versuchsanbau beweisen kann. Sie darf erst offiziell angebaut werden, wenn sie einen „Sortenschutz“ hat.

Weshalb werden solche langwierigen Versuche unternommen? Heute ist man auf der Suche nach robusten Rebsorten, die gegen Schädlinge und Krankheiten resistent sind. Oder es soll aus positiven Geschmackseigenschaften bekannter Sorten etwas Neues kreiert werden. Hervorragend geklappt hat das zum Beispiel beim Müller-Thurgau, der aus den Sorten Riesling und Madeleine Royal entstand. Oder beim Dornfelder, der aus Helfensteiner und Heroldrebe gekreuzt wurde. Die Sorte Regent wurde 1967 gezüchtet, besitzt aber erst seit 1996 europäischen Sortenschutz! Die Eltern: Diana (Kreuzung aus Silvaner und Müller-Thurgau) und Chambourcin, eine französische Sorte.

Wie kommen Rebsorten zu ihren Namen? Warum der Riesling so heißt, weiß niemand so genau. Bei Neuzüchtungen ist das anders. Müller-Thurgau heißt nach dem Rebzüchter Hermann Müller, der aus dem schweizerischen Thurgau stammte. Dornfelder verdankt seinen Namen dem Gründer der Weinbauschule in Weinsberg, Immanuel Dornfeld. Andere Sorten tragen Fantasienamen: Cabernet Dorio, Regent. Dessen Züchter hieß übrigens Gerhard Alleweldt. Zweifellos ist „Alleweldt“ als Name für eine Rebsorte weniger geeignet.

Nicht nur im Sommer: Rosé und Rotling

Gläser mit Roséwein

Die erdbeer- und himbeerfruchtigen Verführer eignen sich bestens, um auch bei kühleren Temperaturen Sommergefühl auf den Tisch und in die Seele zu zaubern. Rosés und Rotlinge verbinden die Frische des Weißweins mit der Fruchtigkeit und dem Charme eines Rotweins. Wie werden Rosés eigentlich gemacht? Gibt es da eigene Rebsorten? Die Sache ist raffinierter: Rote Trauben werden gepresst und ihre Schalen nur so lange beim Most gelassen, bis sie ein wenig Farbe und Gerbstoffe (Tannine) abgeben. So entstehen – je nach Wunsch – zartere oder kräftigere Rosés, die solo genauso viel Spaß machen wie zu kleinen, feinen Speisen, etwa einer Fingerfood-Platte. Probieren Sie Rosé auch einmal zu Feta- oder Frischkäse – ein Gedicht!

Eine deutsche Spezialität ist Rotling. Die Sachsen sollen ihn erfunden haben, nämlich einen Wein aus Rot- und Weißweintrauben. Vor allem in Franken, Baden, Württemberg und Sachsen werden solche Rotlinge erzeugt. Wichtig für alle Spielarten dieses besonderen roséfarbenen Weines ist, dass rote und weiße Trauben zusammen gekeltert werden müssen. So entsteht eine besonders innige Verbindung, erfrischend und pikant.

Rosé und Rotling sind eigenständige Weine. Während Rotlinge immer Cuvées sind, also Kombinationen verschiedener Rebsorten, werden die meisten deutschen Roséweine sortenrein angeboten. Sie dürfen dann auch als Weißherbst bezeichnet werden, wie Portugieser oder Spätburgunder Weißherbst. Das bedeutet keinen Qualitätsunterschied, ebenso wenig wie die Farben, die sehr verschieden sein können. Sie reichen von einem blassen Kupferton über helles Rosa bis zu einem fast an Rotwein erinnernden Erdbeerton. Es kommt ganz darauf an, wie farbstark die Sorte ist und wie lange die Schalen mit dem Most in Berührung blieben.

Servieren Sie Rosé und Rotling immer so wie Weißwein, das heißt bei 7 bis 9 Grad Celsius.

Sekt: Prickelndes Vergnügen

Sektgläser

Wie kommen eigentlich die Bläschen in die Flasche? Dazu muss der Wein, der zum Prickeln ausersehen ist, eine zweite Gärung durchlaufen. Oft ist dieser Grundwein besonders säurefrisch, damit das fertige Produkt auch richtig erfrischend ist! Ihm wird eine Mischung aus Hefe und Zucker zugesetzt, damit er erneut aufbraust und so die erwünschten Bläschen produziert. Dies tut er meist im Drucktank, damit sie nicht verloren gehen. (Denn bei der Gärung lassen die Hefen neben Alkohol auch Kohlendioxid entstehen.) Nach der zweiten Gärung wird die Hefe entfernt und etwas „Dosage“ zur Geschmacksabstimmung zugegeben – fertig ist die Prickelei!

Wussten Sie schon: Säure mindert das Geschmacksempfinden für Süßes. In einem Sekt, der viel Kohlensäure enthält, nimmt unsere Zunge Süßes nicht so stark wahr. Deshalb gibt es beim Sekt andere Grenzwerte und Geschmacksbezeichnungen als beim Wein. Häufig sind zum Beispiel die Geschmacksbezeichnung trocken oder brut, auch extra trocken ist geläufig.