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Die kurzen und die langen Jahre

Hardcover; Autor: Bayer, Thommie

Silvie hat ihren Mann verloren, Simon seinen Vater. Und nicht nur die Trauer verbindet die beiden, vor allem Simon empfindet eine große Seelenverwandtschaft für die um Einiges ältere Silvie. Er...
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Artikelnummer: 100160019

Silvie hat ihren Mann verloren, Simon seinen Vater. Und nicht nur die Trauer verbindet die beiden, vor allem Simon empfindet eine große Seelenverwandtschaft für die um Einiges ältere Silvie. Er ist sich schnell sicher, dass es Liebe ist. Doch er glaubt warten zu müssen, auch weil Silvie zu sehr vom Tod ihres Partners verwirrt ist. Er wartet, bis der richtige Moment verstrichen ist, bis zuviel geschehen ist, das sich so leicht nicht mehr rückgängig machen lässt. Aber das Schicksal und die gegenseitige Zuneigung führen die beiden immer wieder zusammen.
"Die kurzen und die langen Jahre" ist die klassische Geschichte zweier Liebender. Thommie Bayer erzählt von der tragischen Ungleichzeitigkeit der Liebe und schreibt dabei einen äußerst zeitgemäßen Roman.
Text Review

"Es sind nicht nur die fein beobachteten Szenen, die ruhige, aber bewegende Story, sondern auch die überaus gelungenen Innenansichten der Figuren, die mir die Protagonisten sehr nah gebracht haben.", Neue Westfälische, 24.11.2015


Titel Zusatz

Roman


Autor(en)

Bayer, Thommie


Erscheinungsdatum

07.03.2014


Abmessungen

(H) 0,21 (B) 0.14 (T) 0.03


Gewicht in Gramm

366 gr


Seitenzahl

208


Herausgeber

Piper


Sprache

Deutsch


Ausschnitt

Es gibt Anblicke, von denen ich nicht weiß, ob sie mir gut- oder wehtun, ob ich hinsehen darf oder den Blick abwenden soll, und irgendwann habe ich den Blick abgewandt und bin beschäftigt damit, mir selbst zu erklären, dass das eben Gesehene kein Zeichen war, keine Botschaft an mich, sondern einfach das Leben, an dem jeder zumindest mal vorbeikommt, falls er, wie ich, nicht mehr daran beteiligt ist. Der Bahnsteig in Singen füllt sich mit denen, die aus meinem Zug aussteigen, unter ihnen ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit kleinem Gepäck, offenem Gesicht, Lederjacke und blonden Locken. Ich sehe, wie er seine Tasche fallen lässt, die Arme ausbreitet, strahlt und ein kleines Mädchen, vielleicht sechs, vielleicht sieben, in diese Arme springt, die Beine um seine Taille klammert, die Arme um seinen Hals und wie ein Kätzchen Kinn und Wange an seiner Schulter reibt. Als der Zug seine Fahrt nach Stuttgart fortsetzt, sind die beiden längst verschwunden, aber ich behalte ihr Bild noch bei mir bis Schwäbisch Gmünd, wo ich, am Ende meiner Reise, aus dem Taxi steige, auf das große Gebäude eines ehemaligen Klosters zugehe, immer langsamer, je näher ich dessen Tür komme, und ich wünschte, ich müsste da nicht hinein, aber das Wünschen hilft schon lange nicht mehr, die Zeiten sind vorbei. Und dann fällt mir ein, dass ich nicht muss. Ich will. 1964 Als das Wünschen noch half, war ich zwölf und wollte, dass mein Vater stirbt. Irgendwas musste ich aber falsch gemacht haben, denn es erwischte meine Mutter. Sie war im Garten und grub Küchenabfälle in den Komposthaufen ein, damit mein Vater sie nicht sehen und über das verschwenderische Wegschneiden der äußeren Salatblätter meckern würde, etwas kitzelte sie am Hals, sie hielt es für eine Schmeißfliege und schlug danach, aber es war eine Hornisse. Ich saß in der Pergola und zeichnete einen Indianer, als ich ihren Schrei hörte und sah, wie sie die Treppe herab zum Haus rannte, ich folgte ihr und fand sie im Flur am Telefon, wo sie die Nummer des Arztes von einem kleinen Notizblock ablas, der an der Wand an einem Bastfaden mit Reißzwecke hing. Die Telefone waren damals noch schwarz und hatten Wählscheiben, man steckte einen Finger in ein Loch und drehte bis zum Anschlag, dann ließ man los, und ein filigranes Rasseln ertönte, bis die Wählscheibe sich wieder in ihre Ausgangsposition zurückbewegt hatte. Ich bin froh, dieses Rasseln heute nirgendwo mehr hören zu müssen. Sie schickte mich zu den Nachbarn, die ein Eisfach im Kühlschrank hatten, denn sie wollte die einem verrutschten Kropf ähnelnde Schwellung am Hals mit Eiswürfeln kühlen. Ich rannte los, klingelte, aber niemand machte auf, ich rannte weiter zum nächsten Haus und hatte Glück. Man gab mir eine rechteckige Blechschale mit einem Gitter darin, das ich nur herausziehen müsse, dann könne ich einzelne Eiswürfel abbrechen. Als ich zurückkam, war sie tot. "Geh raus, Junge", sagte der Arzt, der sich über sie gebeugt hatte und, wie ich später verstand, einen Luftröhrenschnitt versuchte, ich gehorchte und setzte mich vor die Haustür, es war Ende Oktober, und die Luft roch nach Kartoffelfeuern. Ich hörte wieder das Rasseln des Telefons und war stolz auf das Drama, das ich erlebte, und gespannt darauf, wie sich echte Trauer anfühlen würde. 1974 Als mein Vater dann viel später wirklich starb, waren die Telefone grün, rot oder beige, und ich wünschte mir nichts mehr. Nicht nur, weil es beim letzten Mal so schiefgegangen war und ich mir eigentlich hätte Vorwürfe machen müssen, schließlich hatte ich meine Mutter auf dem Gewissen. Aber ich machte die Vorwürfe nicht mir, sondern meinem Vater, der sich irgendwie aus der Schusslinie meines Fluchs gebracht und ihn auf meine Mutter umgeleitet hatte, und ich wusste längst, dass Wünsche nur etwas für Frauen und Kinder sind. Männer haben Pläne. Ich war zweiundzwanzig und verdiente mein Geld als Klavierstimmer, nachdem ich von der Mu


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