Für den Rest des Lebens

Taschenbuch; Autor: Shalev, Zeruya

Chemda Horovitz liegt in ihrem Bett und blickt mit schwindendem Bewusstsein auf ihr Leben zurück. Sie denkt an ihre Kindheit im Kibbuz, an ihre Ehe und ihre zwei Kinder, von denen sie eines zu...
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Artikelnummer: 100150406

Chemda Horovitz liegt in ihrem Bett und blickt mit schwindendem Bewusstsein
auf ihr Leben zurück. Sie denkt an ihre Kindheit im Kibbuz, an ihre Ehe und ihre
zwei Kinder, von denen sie eines zu sehr und das andere zu wenig liebte.
Ihr geliebter Sohn Avner ist zu einem Mann herangewachsen, dessen Erfolg als Anwalt
ihn nicht von seiner tiefen Verbitterung erlösen kann. Er verfällt einer geheimnisvollen
Frau, die seine Liebe nicht erwidert.
Chemdas Tochter schenkt alle Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Tochter. Als diese
sich immer weiter von ihr entfernt, entsteht in ihr das mächtige Verlangen, ein
Kind zu adoptieren und noch einmal von vorne zu beginnen. Doch der Widerstand
ihrer Familie treibt sie in eine Sackgasse. Sie kann den Traum nicht überwinden,
der das zu sprengen droht, was er eigentlich retten soll: ihre Familie.
In Für den Rest des Lebens erzählt Zeruya Shalev von den elementaren Kräften zwischen
Eltern und Kindern, von Wut, Enttäuschung und Sehnsucht, von Verletzungen
und Liebe und davon, wie sich die Familienbande als stärker und beständiger
erweisen als alles Sehnen und Streben, diese zu zerschneiden, und stärker als alle
Kräfte, die uns trennen.
Text Review

"Die Botschaft dieses literarisch und psychologisch so kunstvollen wie süffig zu lesenden Textes: So schwierig das Leben auch insgesamt sein mag, so große Fehler wir auch machen, so viele Wiedersprüche wir aushalten und so viele Schläge und Niederlagen wir einstecken müssen: Nichts ist starr in diesem Leben; Veränderung ist möglich. Und damit die Hoffnung.", Süddeutsche Zeitung Extra, 13.09.2012


Titel Zusatz

Roman. Ausgezeichnet mit dem Prix Femina, Kategorie Ausländische Literatur, 2014


Autor(en)

Shalev, Zeruya


Erscheinungsdatum

12.04.2013


Abmessungen

(H) 0,19 (B) 0.12 (T) 0.04


Gewicht in Gramm

420 gr


Seitenzahl

528


Herausgeber

Berlin Verlag Taschenbuch


Sprache

Deutsch


Reihe

BVT


Reihe Band Nr.

Bd.895


Ausschnitt

Für den Rest des Lebens Zeruya Shalev Erstes Kapitel Ist das Zimmer gewachsen oder ist sie es, die geschrumpft ist? Schließlich ist es doch das kleinste Zimmer in einer Wohnung, klein wie eine Handfläche, und nun, da sie von morgens bis abends im Bett liegt, kommt es ihr vor, als hätte sich das Zimmer ausgedehnt, als wären Hunderte von Schritten nötig, um zum Fenster zu kommen, und wer weiß, ob ihr Leben ausreichen würde. Der Rest ihres Lebens, besser gesagt, die letzte Frist des Lebens, die ihr zusteht, kommt ihr absurderweise wie eine Ewigkeit vor, denn weil ihr jede Bewegung fehlt, scheint sich die Zeit bis in die Ewigkeit zu dehnen. Es stimmt, sie ist knochig und geschrumpft, leicht wie ein Windhauch, es stimmt, dass jeder Luftzug sie vom Bett heben kann, es ist, als würde nur das Gewicht der Decke sie daran hindern, durch den Raum zu schweben, es stimmt, dass jeder Atemzug den letzten Faden zerreißen kann, der sie mit dem Leben verbindet, aber wer sollte es sein, der atmet, wer sollte es sein, der sich überhaupt die Mühe macht, in ihre Richtung zu pusten. Ja, sie wird noch Jahre und Jahre hier unter der schweren Decke liegen, sie wird ihre Kindern älter werden sehen, sie wird sehen, wie ihre Enkel erwachsen werden. Ja, in bitterer Gleichgültigkeit hat man sie zu ewigem Leben verurteilt, und plötzlich kommt es ihr vor, als sei auch zum Sterben Kraft nötig, eine Art Vitalität des zukünftigen Toten oder seiner Umgebung, eine persönliche Aufmerksamkeit, ein umständliches Kümmern wie bei den Vorbereitungen zu einem Geburtstag. Auch zum Sterben braucht es ein gewisses Maß an Liebe, und vielleicht wird sie nicht mehr genug geliebt und vielleicht liebt sie selbst nicht mehr genug, noch nicht einmal dafür. Nicht dass sie nicht kommen, fast jeden Tag betritt einer von ihnen ihre Wohnung, sitzt neben ihr im Sessel, interessiert sich angeblich für ihr Wohlergehen, doch sie spürt den alten Groll, bemerkt ihre Blicke auf die Uhr, das erleichterte Aufatmen, wenn ihr Telefon klingelt. Plötzlich verändert sich ihre Stimme, wird energisch und lebendig, ein Lachen löst sich aus der Kehle, ich bin bei meiner Mutter, verkünden sie schließlich ihrem Gesprächspartner mit theatralischem Augenrollen, ich rufe an, wenn ich wieder weg bin, und wenden ihr dann ihre hohle Aufmerksamkeit wieder zu, sie machen sich die Mühe, etwas zu fragen, hören aber nicht zu, was sie sagt, und sie ihrerseits vergilt es ihnen mit ermüdenden Antworten, berichtet in absoluter Ausführlichkeit, was der Arzt gesagt hat, zählt angesichts ihrer glasigen Augen die Namen der Medikamente auf. Wer von uns schreckt stärker vor dem anderen zurück, ich vor ihnen oder sie vor mir, fragt sie sich, macht sie zu einer Einheit, ihre beiden Kinder, die so verschieden von einander sind und sich nur ihr gegenüber verbünden können, und erst in der letzten Zeit, vor der alten Mutter, die von morgens bis abends in ihrem kleinen Zimmer im Bett liegt, losgelöst von der Schwerkraft. Es ist überfüllt und quadratisch, das Zimmer, dessen einziges Fenster zu dem arabischen Dorf geht, an der nördlichen Wand ein alter Schreibtisch, an der südlichen ein Schrank mit ihren Kleidern, jenen bunten Kleidern, die sie nie mehr anziehen wird. Schon immer haben kräftige Farben sie angezogen, ein bisschen beschämend, der Schnitt war ihr egal, eine lange, weite Tunika, ein um die Hüften spannendes Kleid, Faltenröcke, bis heute weiß sie nicht, was ihr besser steht, sie wird es schon nicht mehr wissen. Ihre Augen wandern zu dem runden Kaffeetisch, zu dessen Anschaffung ihre Tochter sie vor vielen Jahren genötigt hatte, sie hatte im Laden zu weinen angefangen, obwohl sie schon ein junges Mädchen war, ihr habt mich gezwungen, in diese hässliche Wohnung umzuziehen und habt mir noch dazu das kleinste Zimmer gegeben, dann lasst mich wenigstens die Möbel kaufen, die mir gefallen. Hör auf zu weinen, hatte sie sie angeschrien, alle schauen schon zu dir hin, abe


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