Gebrauchsanweisung für Brasilien

Hardcover

Nackte Haut und heiße Rhythmen - seit mehr als 25 Jahren bereist der Autor das Ursprungsland des Karnevals. Er schließt den umschwärmten Aufsteiger Südamerikas ins Herz und berichtet vom...
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Artikelnummer: 100120200

Nackte Haut und heiße Rhythmen - seit mehr als 25 Jahren bereist der Autor das Ursprungsland des Karnevals. Er schließt den umschwärmten Aufsteiger Südamerikas ins Herz und berichtet vom Ausnahmezustand in der fünften Jahreszeit. Erklärt, warum Schönheitschirurgen hier Hochkonjunktur haben, brasilianisches Bier sogar Bayern verzückt und wie Flipflops und Flugzeuge den wirtschaftlichen Aufstieg fördern. Er besucht Favelas und Luxusläden in den Großstädten sowie Zuckerrohrplantagen und bedrohte Völker am Amazonas. Taucht ein in eine Welt, in der Pelé und Ronaldinho Helden sind, Oscar Niemeyer zum Herr der Kurven wurde und Paulo Coelho seine Welterfolge schrieb. Brasilien ist ein Mythos - und Lebensfreude pur!
Text Review

"Burghardts Buch ist kein beliebiger Reiseführer, der von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt. Es ist eine ruhige Einführung in die brasilianische Lebensweise, die Beschreibung eines Lebensgefühls, das selbst vermeintlich Unvereinbares noch miteinander zu vereinbaren weiß.", Bayern2 - radioReisen, 19.01.2014 20151120


Autor(en)

Burghardt, Peter


Erscheinungsdatum

12.08.2013


Abmessungen

(H) 0,19 (B) 0.12 (T) 0.02


Gewicht in Gramm

284 gr


Seitenzahl

234


Herausgeber

Piper


Sprache

Deutsch


Reihe

Piper Taschenbuch


Reihe Band Nr.

Bd.7635


Altersangabe (FSK/USK)

Hobby/Freizeit


Ausschnitt

Tudo bem? Die Portugiesen haben Brasilien vor gut 500 Jahren entdeckt, obwohl Pedro Álvares Cabral eigentlich nach Indien segeln wollte. Meine Premiere ereignete sich etwas später, aber absichtlich. An einem kalten und dunklen Morgen im Januar 1986 stiegen wir in ein Flugzeug und flogen aus dem Münchner Winter in den Hochsommer Südamerikas. BRIC-Staaten kannte man damals noch nicht und auch nicht den Gastgeber der Fußball-WM 2014 und von Olympia 2016, doch Brasilien war längst ein Ziel der Sehnsucht. Im Rucksack hatten wir überflüssige Malariapillen und im Kopf die Bilder und Legenden aus Rio de Janeiro, Manaus, Salvador da Bahia, Iguaçu, von Stränden, Fußball, Samba, Festen, Wasserfällen, Riesenschlangen, Flüssen und Mädchen von Ipanema. Nach zehn Stunden ging die Maschine zwischen Palmen und Atlantik in Recife im brasilianischen Nordosten nieder. Es war grell, bunt, laut und heiß. Ein uns vorausgeeilter Freund trug einen schicken Strohhut zum krebsroten Gesicht und beherrschte schon die lässige Zauberformel tudo bem, alles klar. Der Geruch von Alkohol stieg uns sofort in die Nase, viele Autos fuhren bereits wie beschwipst mit Ethanol. Willkommen in Brasilien. Bem-vindos ao Brasil. Bra-si-u. Der arme Bundesstaat Pernambuco war kein schlechter Start für uns Debütanten, die Gegend gehörte einst zu den Zentren von Zuckerrohrplantagen und Sklaverei. Hier vermischen sich indianisches, afrikanisches, portugiesisches und sogar holländisches Erbe mit dem Tourismus der Neuzeit. Recife bedeutet Riff und wird wegen seiner Flüsse und Brücken in leichter Übertreibung auch brasilianisches Venedig genannt. Die modrige Altstadt hatte morbiden Charme und das Strandrevier Boa Viagem (Gute Reise) einen Hauch von Miami Beach. Wir sicherten uns umgehend einen Sonnenbrand und schwammen im Meer von Haien war noch keine Rede, von denen sollte ich erst 25 Jahre danach erfahren. Wir schlürften Caipirinha, in Deutschland seinerzeit noch exotisch, und die klare Milch aus Kokosnüssen, denen Künstler mit Macheten Löcher für die Strohhalme in die Schale hieben. Wir erklommen schwitzend das benachbarte Kolonialjuwel Olinda, aßen gegrillten Käse, der beim Kauen quietschte, und entdeckten zum ersten Mal das Kreuz des Südens am Himmel. Wir tranken eisiges Bier, sahen spannende Gesichter und hörten gute Musik. Wir waren begeistert. Obendrein steckte uns dieser Tick an. Daumen hoch, dazu zwei Wörter: tudo bem, gesprochen "tudu beng", alles klar, oder tudo joya, alles Schmuck, oder tudo beleza, alles Schönheit. Der brasilianische Optimismus erschien unerschütterlich zu sein, dabei war der Aufschwung in jenen Jahren noch eine Vision. Erst 1985 hatte die Militärdiktatur abgedankt, und es regierte der korruptionsbewährte Ersatzmann José Sarney, der gewählte Präsident Tancredo Neves war vor seinem Amtsantritt gestorben. Brasilien galt als Belindia, eine Mischung aus Elite und Entwicklung à la Belgien und Armut und Rückstand à la Indien. Als verschlafener Riese, mit dem man gut feiern konnte, aber besser keine Geschäfte machte. Lebensfroh, verschuldet, inflationär, gefährlich. "Land der Zukunft" nannte der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig seine Hommage an sein tropisches Exil, ehe er sich 1942 in Petrópolis bei Rio das Leben nahm. "Ja, Land der Zukunft", spotteten die Brasilianer, "wir werden es immer bleiben." Beim ersten Mittagsschlaf im Sand wurden unserem Freund Andi die Schuhe geklaut, er erstand zügig Ersatz. "O Brasil não é para principiantes", "Brasilien ist nichts für Anfänger", fand Tom Jobim, der Komponist des "Garota de Ipanema". Wir Anfänger amüsierten uns aber prächtig, und Brasilien war noch herrlich billig, trotz ständig steigender Preise. Der Cruzeiro oder Cruzado oder wie die Währung gerade hieß, verlor stündlich an Wert, die Tarife des Taximeters wurden mit Tabellen umgerechnet. Die Inflation von 1979 bis 1994 betrug, Achtung: 13342346717617,70 Prozent, 13,3 Billionen Prozen


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