Der Lidl-Chancen-Check

Studie zur Ernährung, Betreuung und Förderung von Grundschülern in Deutschland 2019

Jedes Kind hat das Recht, behütet aufzuwachsen und seine Talente zu entwickeln. Dafür sind geregelte Mahlzeiten, eine verlässliche Betreuung und individuelle Förderung – gerade für Kinder im Grundschulalter – unerlässlich. Doch wie ist es darum in Deutschland bestellt? Genau das untersucht der Lidl-Chancen-Check. Die breitangelegte Studie zur Chancengerechtigkeit für Grundschulkinder wurde anlässlich des zehnjährigen Partnerschaftsjubiläums von brotZeit e.V. und Lidl Deutschland initiiert.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Lebensverhältnisse von Familien tiefgreifend gewandelt. Es gibt mehr Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, mehr Familien von Alleinerziehenden oder von Zuwanderern. In einem Teil der Elternhäuser wird die Entwicklung der Kinder mit beträchtlichem Aufwand unterstützt, während für andere eine solche Unterstützung nur eingeschränkt möglich ist. Sowohl die deutsche Familienpolitik als auch zahlreiche gemeinnützige Organisationen versuchen, für möglichst gute Entwicklungschancen aller Kinder zu sorgen – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.

Für die Durchführung der Studie hat Lidl Deutschland das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt. Insgesamt wurden 1.088 Mütter und Väter befragt, die wenigstens ein Grundschulkind haben. Die Befragung wurde zwischen dem 22. März und dem 11. April 2019 mündlich-persönlich durch 361 Interviewer durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung sind repräsentativ für die Eltern von Grundschulkindern. Die Befragung fand zwischen dem 22. März und dem 11. April 2019 statt.



Chancengerechtigkeit für Kinder: 2019 in Deutschland noch immer keine Realität

Die wichtigsten Ergebnisse des Lidl-Chancen-Checks im Überblick

Eltern stellt Ernährung ihrer Kinder vor Herausforderungen
• 300.000 Grundschüler, das entspricht 10 %, gehen täglich ohne Frühstück zur Schule.
• 57 % der Eltern haben oft Probleme, ihre Kinder gesund und ausgewogen zu ernähren.

Große Betreuungslücke am Nachmittag
• Für 10 % der Grundschulkinder fehlt ein passender Betreuungsplatz.
• 23 % der Eltern, die sich Nachmittagsbetreuung für ihr Kind wünschen, können sie sich nicht leisten.

Weniger Geld, weniger Bildung
• 47 % der Eltern aus der einfacheren Schicht würden ihre Kinder gern stärker fördern, als die finanziellen Mittel es zulassen.
• 27 % dieser Eltern wünschen sich mehr Unterstützung bei der Förderung ihrer Kinder.

Lidl-Chancen-Check im Überblick
Studienbericht Chancengleichheit
Studienbericht Chancengleichheit
Studienbericht Chancengleichheit

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„In Deutschland kommen zu viele Kinder ohne Frühstück in die Schule!“

Matthias Oppitz, Geschäftsleitungsvorsitzender Lidl Deutschland

„Mit unserer Studie möchten wir die Bedeutung, die eine gute Ernährung, Betreuung und Förderung für Grundschulkinder haben, in den Fokus des öffentlichen und gesellschaftspolitischen Diskurses rücken. Der Lidl-Chancen-Check zeigt, dass in Deutschland zu viele Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen und nicht adäquat betreut oder gefördert werden. Sich dieses Problems anzunehmen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Unabhängig von seiner Herkunft sollte jedes Kind in Deutschland bestmögliche Startbedingungen erhalten. Dafür möchten wir mit dem Lidl-Chancen-Check sensibilisieren.“

Matthias Oppitz
Matthias Oppitz, Geschäftsleitungsvorsitzender Lidl Deutschland


„Deutschland ist von Chancengerechtigkeit noch weit entfernt!“

Prof. Dr. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach

„Mit Blick auf die künftige Entwicklung der deutschen Gesellschaft spielen zwei Ziele eine zentrale Rolle: die Verminderung der Unterschiede zwischen den sozialen Schichten und gleiche Chancen für alle Kinder unabhängig vom sozialen Status. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Hierzulande hängen die schulische Entwicklung und der Bildungserfolg von Kindern eng mit dem Bildungshintergrund und der sozialen Schicht der Eltern zusammen. Den Schulen und Betreuungseinrichtungen kommt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung zu. Sie sind herausgefordert, durch Betreuung und Förderung die Chancen von Kindern zu verbessern.“

Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Institus für Demoskopie Allensbach
Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Institus für Demoskopie Allensbach


„Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich gibt es nur auf dem Papier!“

Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband über Bildungs- und Betreuungsangebote 2019

Die Politik plant, bis 2025 ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote für alle Grundschulkinder anzubieten. Worin sehen Sie dabei die größten Herausforderungen?
Wir sehen drei große Herausforderungen: Erstens, die noch fehlende Einigung des Bundes mit den Ländern über die Modalitäten. Bildung ist nach wie vor Ländersache. Als weiteren Punkt gilt es, die Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel zu klären. Zu guter Letzt muss der massive Grundschullehrermangel behoben werden.

Experteninterview mit Heinz-Peter Meidinger
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

Mit Blick auf die Arbeitsrealität in Deutschland benötigen berufstätige Eltern Ganztagsbetreuung für ihre Kinder. Wie bewerten Sie diese im Grundschulalter?
Nach unserer Auffassung profitieren von Betreuungseinrichtungen vor allem die Kinder, deren Eltern sich aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend kümmern können. Familien, in denen ein Elternteil oder Großeltern viel Zeit zur Betreuung der Kinder aufwenden können, fördern die Entwicklung ihrer Kinder in gleichem, wenn nicht sogar höherem Maße, als es eine staatliche Betreuungseinrichtung vermag.

Viele Eltern empfinden die Kosten für Kinderbetreuung und -förderung als sehr hoch. Ist gute Betreuung eine Frage des Geldes?
Solange der Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich nicht verwirklicht ist, entstehen für viele Eltern zusätzliche Kosten für eine private Betreuung. Wir halten es für notwendig, den betroffenen Eltern einen angemessenen Betreuungszuschuss zu zahlen.



„Wie soll ein Kind lernen, wenn der Magen knurrt?!“

3 Fragen an Uschi Glas, Gründerin von brotZeit e.V.

Was hat Sie dazu bewogen, die Initative brotZeit zu gründen?
Ein Radiobeitrag hat mich vor mehr als einem Jahrzehnt sehr betroffen gemacht. Es ging darum, dass viele Kinder in Deutschland morgens hungrig in die Schule gehen. Da war mir sofort klar: Das darf nicht sein. Wie soll ein Kind erfolgreich lernen können, wenn der Magen knurrt?

Wer steckt neben Ihnen noch hinter diesem wichtigen Engagement?
Mittlerweile engagieren sich auch 1.200 ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren für unseren Verein. In den vergangenen zehn Jahren haben wir sagenhafte 7,6 Millionen Frühstücke ausgegeben. Dabei werden wir von Anfang an durch starke und verlässliche Partner wie Lidl Deutschland unterstützt.

3 Fragen an Uschi Glas
Uschi Glas, Gründerin von brotZeit e.V.

Welche Bedeutung messen Sie dem Lidl-Chancen-Check bei?
Die Ergebnisse dieser Studie decken sich mit unseren Erfahrungen an den Projektschulen und zeigen: Familien müssen stärker bei der Bewältigung des Alltags unterstützt werden. Wir brauchen mehr Betreuungsangebote und müssen als Gesellschaft mehr in die Förderung und Verpflegung von Kindern investieren – letztlich führt nur das zu mehr Chancengerechtigkeit.



Über brotZeit e.V.

Kleine Hilfe – große Wirkung: Mit einem täglichen Frühstück bekommt brotZeit e.V. seit 2009 den Hunger von Schulkindern in den Griff. Der von Uschi Glas gegründete Verein sorgt außerdem für ein angenehmes Schulklima und Verständnis zwischen den Generationen. Rund 1.200 Senioren bereiten den Kindern jeden Morgen das Frühstücksbuffet zu und tauschen sich mit ihnen aus.

Der Erfolg spricht für sich: Die schulische Leistungen und das Sozialverhalten der Kinder entwickelt sich zum Positiven. Sie erfahren Chancengerechtigkeit.

Über brotZeit e.V.
brotZeit e.V.

Zahlen – Daten – Fakten

  • 10 Jahre Partnerschaft Lidl und brotZeit e.V
  • 7,6 Millionen ausgegebene Frühstücke seit 2009
  • 450 Tonnen verteilte Lebensmittel pro Jahr
  • Rund 10.000 Frühstückskinder jeden Morgen
  • 221 brotZeit Schulen deutschlandweit
  • 1.200 ehrenamtliche Senioren im Einsatz
Alternativ Text
„brotZeit“-Frühstücksbuffet mit frischen Lebensmitteln und Getränken von Lidl