In 80 Fettnäpfchen um die Welt

Taschenbuch; Autor: Hauser, Françoise

Wer die Suppe schlürft, beweist in Deutschland mangelnde Kinderstube - und in Japan perfekte Tischmanieren. Der Handkuss gilt in Österreich als charmant, in Saudi-Arabien ist er jedoch ein...
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Artikelnummer: 100159958

Wer die Suppe schlürft, beweist in Deutschland mangelnde Kinderstube - und in Japan perfekte Tischmanieren. Der Handkuss gilt in Österreich als charmant, in Saudi-Arabien ist er jedoch ein Garant für den Rausschmiss. Und wer weiß bei uns schon, dass man in China Geschenke niemals im Beisein des Schenkenden auspacken darf? Françoise Hauser versammelt Fettnäpfchen aus aller Welt und zeigt auch, wie sie sich umgehen lassen. Ein ebenso unterhaltsames wie aufschlussreiches Buch, das in keinem Reisegepäck fehlen sollte.
Text Review

"Hauser schreibt humorvoll bis salopp. Das hat zur Folge, dass die Leser sich nicht belehrt, sondern amüsiert fühlen.", saldo (CH), 04.02.2015


Titel Zusatz

Womit man sich im Ausland so richtig blamiert


Autor(en)

Hauser, Françoise


Erscheinungsdatum

06.03.2014


Abmessungen

(H) 0,19 (B) 0.12 (T) 0.02


Gewicht in Gramm

204 gr


Seitenzahl

208


Herausgeber

Piper


Sprache

Deutsch


Reihe

Piper Taschenbuch


Reihe Band Nr.

Bd.30368


Ausschnitt

Fettnäpfchen: Wo sie herkommen und wie man sie zielsicher ansteuert Wer sich jemals in China bei Tisch geschnäuzt, in Indien die linke Hand zur Begrüßung ausgestreckt oder in den USA einen richtig dreckigen Witz erzählt hat, der weiß: Interkulturelle Begegnungen haben viel mit der letzten Fahrt der Titanic gemeinsam. Wartet man mit den Kurskorrekturen, bis die Spitze des Eisbergs sichtbar ist, hat man sich längst an dessen unsichtbaren Unterwasserausläufern den Rumpf aufgeschlitzt. Und mal ehrlich: Jeder, der bereits im Ausland unterwegs war, hat wohl schon mal die heiße Erkenntnis verspürt, gerade kapital einen versenkt zu haben. Wenn sich eben noch herzlich nette Menschen scheinbar grundlos zurückziehen, die neuen und wirklich freundlichen Bekannten auf einmal einen angeekelten Gesichtsausdruck bekommen, wenn der Kellner schlagartig unhöflich wird oder die potenziellen Geschäftspartner keinerlei Willen mehr zum Vertragsabschluss zeigen dann hat man sich wohl ungewollt kolossal danebenbenommen. Alternativ ist es auch ein unglaublich peinliches Erlebnis, anderen beim zielsicheren Endspurt aufs Fettnäpfchen zuzusehen: Der wird doch nicht wirklich in China einen Schlitzaugenwitz erzählen? Hat der jetzt allen Ernstes den Amerikaner zwischen Vorsuppe und Hauptspeise in die Nacktsauna eingeladen? Es schmerzt, anderen dabei zuzuschauen, wie sie in Korea nach einem üppigen Mahl penibel getrennt die Rechnung begleichen, in Dubai Luftküsschen an die weib lichen Angestellten verteilen oder in Italien an der Rezeption mal so richtig dozieren, wie sich aus dem Saftladen noch ein ordentliches Hotel machen ließe. Die Möglichkeiten, sich im Ausland zu blamieren, sind vielfältig, und selbst wer meint, sich vor der Reise gut auf die Besonderheiten des Ziellandes vorbereitet zu haben, ist vor peinlichen Benimm-Ausrutschern nicht gefeit. Doch warum eigentlich? Können wir uns nicht einfach die Grundlagen einer anderen Kultur aneignen und damit solcherlei Fehltritte von vornherein verhindern? Denn dass Kulturen unterschiedlich sind und in anderen Ländern auch andere Regeln gelten, wissen wir schließlich alle. Kultur! Kultur? Doch was bedeutet Kultur in diesem Zusammenhang? Ab wann befindet man sich in einer anderen Kultur und wo genau liegen ihre Grenzen? An diesem Begriff arbeiten sich seit vielen Jahrzehnten Sozialwissenschaftler, Anthropologen, Kulturwissenschaftler, Psychologen und wer nicht noch alles ab, sodass es eine Vielfalt von verschraubten Definitionen gibt. Tatsache ist aber: So ganz genau lässt sich eine Kultur nicht abgrenzen weder gefühlt noch wissenschaftlich. Es geht schon damit los, dass sich jede Kultur in Unterkulturen spaltet, und das nicht zu knapp. Vergleichen Sie doch mal das korrekte Begrüßungsritual unter bayrischen Stammtischmitgliedern mit dem einer Gruppe Berliner Punker. Auch das unterschichtige Offenbacher "Wos ged, Alder" lässt die Passanten nur wenige Straßenzüge weiter im Frankfurter Speckgürtel die Augenbrauen nach oben ziehen. Wissenschaftler differenzieren daher gerne nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Herkunft und vielen anderen Kriterien. Im Alltag ist das allerdings weniger praktikabel. De facto würde das bedeuten, immer erst nach Ausbildung und Kontostand fragen zu müssen, bevor man sich die Hände reicht (oder eben nicht). Nicht minder schwierig ist die Frage: Wo liegen die Grenzen zwischen individuellen Marotten und der gemeinsamen Kultur? Und vor allem: Woran erkennt man sie? Je fremder die Kultur, desto eher tappt der Fremde in die Kulturfalle und schreibt alles Ungewohnte und Unverständliche, jede skurrile Verhaltensweise der lokalen Kultur zu: So geht das hier also! Wer zu schnelle Rückschlüsse zieht, schlürft in Frankreich fortan die Suppe, nur weil er beim ersten Restaurantbesuch in Paris neben einem Rüpel gesessen hat, oder er liegt regional richtig, aber sozial total daneben: Wer die komplizierten Handschlag-Rituale der Gangs von New York beherrsch


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