Wie lagere ich Wein richtig?

Weinexperte Richard Bampfield gibt Profitipps zum Lagern von Weinflaschen

Sie kommen gerade aus dem Weinladen, Supermarkt oder haben sich einen Karton nach Hause bestellt und fragen sich nun, wie Sie die Rotweine, Weißweine und Schaumweine nun am besten lagern sollen? Denken Sie über die Anschaffung eines Weinregals nach – oder haben Sie einen Keller? Und wie lange kann man geschlossene Weinflaschen überhaupt aufheben?

Inhaltsverzeichnis

Grundkurs Weinlagerung

Aromakiller Licht und Wärme

UV-Strahlung, Wärme (ab 18 Grad Celsius) und Temperaturschwankungen sind die größten Aroma-Killer, weil sie die mikrobiologische Zusammensetzung und damit die Aromatik von Weißwein oder Rotwein beeinflussen und verändern können. Daher: einen dunklen Ort mit konstanter, kühler Temperatur wählen.

Die wichtigsten Regeln

Rotwein kann man länger lagern als Weißwein, teuren Wein länger als günstigen und süßen länger als trockenen. Tannine, also Gerbstoffe in Rotweinen, wirken wie ein natürliches Konservierungsmittel. Gleiches bewirkt der Zucker in halbtrockenen Weißweinen oder Süßweinen. Und wenn Sie Ihren gekauften Tropfen direkt genießen möchten: Geben Sie ihm ein paar Stunden, idealerweise ein paar Tage Ruhe nach dem Transport, bevor Sie ihn öffnen. So harmonisieren sich die Aromen wieder.

Wie lange kann man Wein lagern?

Günstige, frische und fruchtige Weiß- und Roséweine sollten innerhalb der ersten zwei Jahre getrunken werden. Trockene Rotweine haben eine Lagerfähigkeit von 3 bis 5 Jahren. Sehr hochwertige, tanninhaltige Weine brauchen sogar eine gewisse Flaschenreife, um ihr volles aromatisches Potenzial zu entfalten. Dies kann im Einzelfall Jahrzehnte dauern. Die Annahme „je älter, desto besser“ gilt daher eher nur für die ganz edlen Tropfen. Sekt hingegen schmeckt am besten frisch – also nur für kurze Zeit bzw. im ersten Jahr.

Auf einen Blick: Lagerpotenzial von unterschiedlichen Weinsorten

Voll im Trend: Käse und Wein

Rotwein: In der Regel 3 bis 5 Jahre, Premium-Weine mehrere Jahrzehnte.

Voll im Trend: Käse und Wein

Weißwein und Rosé: In der Regel 1 bis 2 Jahre, Süßweine und Premium-Weißweine bis zu zehn Jahre.

Voll im Trend: Käse und Wein

Schaumwein, Perlwein, Sekt: In der Regel ein Jahr. Ausnahmen sind Jahrgangs-Champagner, die auch mehrere Jahrzente später Kenner noch begeistern.

Checkliste Weinlagerung

Flaschen mit Naturkorken: Flaschen mit Korken sollten liegend bei konstanter und kühler Temperatur gelagert werden.

Flaschen mit Drehverschluss, Kunststoffkork und Glaskappe: Hier ist es jedem selbst überlassen, ob die Flaschen horizontal oder vertikal gelagert werden. Kühl und dunkel sollte es aber immer sein.

Temperatur: Bei 10 bis 15 Grad Celsius herrschen ideale Bedingungen. Bei dieser Temperatur können die Weine in Ruhe reifen und ihr volles Potenzial entfalten.

Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchtigkeit spielt eigentlich nur bei Flaschen mit Naturkork eine Rolle. Hier sollte sie bei 65 bis 75 % liegen. Eine relative Luftfeuchte höher als 80 % könnte allerdings Schimmelbildung begünstigen.

Licht: Je dunkler, desto besser.

Kann Wein schlecht werden?

„Vertrauen
Sie Ihrem Geschmack!“

Ja, wie fast jedes Lebensmittel kann auch Wein verderben. Um die Genießbarkeit zu überprüfen, betrachten Sie zunächst die Farbe im Glas, indem Sie es vor einen weißen Hintergrund halten: Ist ein Weißwein getrübt, kann das auf eine Alterung hinweisen. Bei gehaltvollen, gerbstoffreichen Rotweinen ist eine leichte Trübung nach längerer Lagerung völlig normal. Letztlich ausschlaggebend ist die Aromatik: Wenn Duft oder Geschmack Sie an Essig oder strengen Sherry erinnern, sollten Sie lieber eine andere Flasche öffnen.“

Expertentipp von Richard Bampfield

Ja, wie fast jedes Lebensmittel kann auch Wein verderben. Um die Genießbarkeit zu überprüfen, betrachten Sie zunächst die Farbe im Glas, indem Sie es vor einen weißen Hintergrund halten: Ist ein Weißwein getrübt, kann das auf eine Alterung hinweisen. Bei gehaltvollen, gerbstoffreichen Rotweinen ist eine leichte Trübung nach längerer Lagerung völlig normal. Letztlich ausschlaggebend ist die Aromatik: Wenn Duft oder Geschmack Sie an Essig oder strengen Sherry erinnern, sollten Sie lieber eine andere Flasche öffnen.“

Richard Bampfield

„Vertrauen
Sie Ihrem Geschmack!“

Vertrauen Sie Ihrem Geschmack!
Hätten Sie's gewusst?

Weinstein ist völlig natürlich und sagt nichts über die Qualität des Weins aus. Die im Wein gelösten natürlichen Mineralien wie Kalium oder Kalzium haben sich mit der Weinsäure zu festen Stoffen verbunden, die dann zu Boden sinken. Auch gesundheitlich ist das völlig unbedenklich. Einfach vorsichtig in eine Karaffe umfüllen, sodass der Bodensatz in der Flasche bleibt.

Wein zu Hause richtig lagern

  • Stehend oder liegend?
    Weine mit Naturkork im Liegen aufbewahren, damit der Korken nicht austrocknet. Weine mit Dreh- oder Glasverschluss können auch stehend aufbewahrt werden.
  • Im Keller
    Für eine langjährige Lagerung eignet sich ein kühler Weinkeller mit hoher Luftfeuchtigkeit, denn das hält die Korken frisch und verlangsamt den Reifeprozess im Wein.
  • Im Weinkühlschrank
    Es gibt sie in unterschiedlichsten Größen und sie fassen unterschiedlich viele Flaschen. Ob mit Glastür, Beleuchtung, ob mit speziell einstellbaren Klimazonen: Ein Weinkühlschrank zählt zur Grundausstattung vieler Genießer. Sicherlich sind sogenannte „Weinklimaschränke“ ideal für die kurze Lagerung, also über ein paar Wochen hinweg, den Wein aufzuheben. Doch den guten alten Keller schlägt der Kühlschrank nicht. Denn auf die Dauer sollten Weine nur bei 10 bis 15 Grad Celsius gelagert werden. Außerdem sind die Stromkosten für einen Weinkühlschrank nicht zu vernachlässigen.
  • Ohne Weinkeller oder Weinklimaschrank
    Wenn Sie weder einen Keller haben, noch die Anschaffungs- und Stromkosten für einen Weinkühlschrank zahlen möchten, überlegen Sie, wo es in Ihrer Wohnung am dunkelsten und am kühlsten ist. Meist ist das das Schlafzimmer! Im Bettkasten oder im Kleiderschrank fühlen sich die Weine somit ebenfalls sehr wohl.
  • Im Weinregal
    Das Weinregal im Wohnzimmer oder in der Küche schafft, was nur wenige Möbelstücke schaffen: Es zeigt Ihren guten Geschmack sowohl auf optische als auch auf genießerische Weise. Doch da es sowohl in Küche als auch Wohnzimmer eigentlich zu warm und hell ist, eignet sich das Weinregal in der Wohnung eher nur übergangsweise für ein paar Wochen. Langfristig gehören Weinflaschen liegend in einen Keller oder dunkle, kühle Speisekammer. Das Weinregal im Keller sollte hauptsächlich praktischen Anforderungen entsprechen: stabil, langlebig, gut zugänglich sowie großzügig und ggf. erweiterbar.
  • Lagerung von offenen Flaschen
    Wie bei Lebensmitteln auch, gilt bei angebrochenen Weinflaschen: Setzen Sie den Korken direkt wieder auf die Flasche und ab in den Kühlschrank. Kühle Temperaturen verlangsamen den Oxidationsprozess, also die Reaktion des Weins mit der Luft. So hält er sich bis zu einer Woche – abhängig von der Art und von der Restmenge in der Flasche. Hier finden Sie Videotipps zur Haltbarkeit von geöffneten Flaschen.
Hätten Sie's gewusst?

Für die Lagerung hochwertiger Weine gibt es seit etwa zehn Jahren sogenannte „WineBANKs“. Bei optimaler Lagertemperatur, Feuchtigkeit und in Dunkelheit können Genießer in der Weinbank ihr „flüssiges Gold“ aufbewahren. Zwischen 50 und mehreren hundert Euro monatlich kostet ein Schließfach, das unterschiedlich viele Flaschen fasst. Per Chipkarte hat die Besitzerin oder der Besitzer 24 Stunden lang freien Zugang zu den Schätzen.

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